Charli XCX – Vroom Vroom EP | Review

In der Musikindustrie gab es gefühlt schon immer eine Minderheit an Frauen, die sich etwas trauen und damit erfolgreich sind. Nicht alle, aber dennoch verdammt viele erfolgreiche und bekannte Tracks, die aus dem Pop-R&B-Schema fallen, sind von Männern. Da freut man sich doch immer, wenn eine starke und unabhängig auftretende Frau einfach ihr Ding durch zieht und die Regeln bricht. “Break The Rules” Das dürfte wohl auch aktuell das bekannteste Werk von Charli XCX sein, in dem sie eigentlich jedes rebellische Teenager-Mädchen verköpert, eine Zeit im Leben die bei der 23-jährigen nicht so lange her sein dürfte. Übrigens hat die Britin Charlotte Aitchison auch den Titeltrack zu “Das Schicksal ist ein mieser Verräter” geschrieben, das ist dieser furchtbare Krebsfilm, den ihr hoffentlich nicht gesehen habt, wenn ihr älter als 12 seid.

Jetzt hat Charli XCX am 26. Februar ihre Vroom Vroom EP veröffentlicht, die aus 4 Tracks besteht. Das ist ungewöhnlich kurz für meine Reviews, aber ich dachte mir, so kann ich zumindest zu jedem Lied etwas sagen. Mit dieser EP trennt sich Aitchison wieder etwas vom Kommerz und greift zu radikalen Mitteln: SOPHIE, der PC-Musik-Artist mit der Vorliebe zu Rutschen als Artworks hat die Vroom Vroom EP produziert, wodurch dieser sich näher an den Kommerz heranwagt. Das Ergebnis dieser Mischung ist durchaus interessant. “Vroom Vroom” Gerade bei diesen hochgepitchten Synthesizern und trockenen Klängen ist der Fußabdruck von SOPHIE gut zu erkennen. Unerwarteterweise harmoniert genau dieser Stil gut mit den schneidenden Lyrics und geht im Chorus fließend in weichere Harmonien über. “Paradise” Paradise kommt unerwartet. Vermutlich eines der wenigen Lieder dieser Welt, die vom Künstler selbst als Mischung aus Nightcore und Trap produziert wurden und nicht lediglich von einem 13-jährigen Mädchen auf doppelte Geschwindigkeit gepitcht und auf YouTube hochgeladen wurde. So schön auch der Arpeggio-Trance-Synthie eingesetzt wird, fällt dieser Track einfach zu heftig aus der Reihe des Albums und macht auf mich eher den Eindruck, als wäre noch ein Song, der schocken soll, verlangt wurden. “Trophy” Trophy als dritter Track, macht das Ganze leider nicht besser: Hier ist für mich kein klares Konzept erkennbar. So hört sich PC Music zwar oft an, dennoch bin ich der Meinung, dass die Bridge vor dem Chorus, das ihr gerade gehört habt, das Beste an diesem Lied ist. Gerade die Strophen und der 08/15-Aggro-Rap lassen Trophy einfach viel zu konstruiert werden. “Secret (Shh)” Das kann auch Secret nicht heraussreissen, der stärkste Track der Vroom Vroom EP. Auf dreckige Hoover spielen Glocken und Charli singt so, wie man es von ihr erwartet und sich schon die ganze Zeit wünscht: Dreckig, Angepisst und ohne Bock auf irgendwelche Vorschriften. Zumindest dieses Lied ist poppiger Grime, wie er sein sollte.

Insgesamt ist “Vroom Vroom” eine EP, die man gehört haben sollte, aber denoch eine Enttäuschung. Auf die Dauer scheint der Einfluss von SOPHIE als Produzent nämlich nicht zu funktionieren, auch wenn dieser für frischen Wind sucht. Und wer weiß, vielleicht fndet Charlie XCX mit ihrer nächsten Platte einen für sie passenden Platz zwischen Kommerz und Untergrund. “Vroom Vroom” erhält von mir 5 von 10 Punkten.

Charli XCX – Break The Rules:

Charli XCX – Boom Clap (The Fault In Our Stars Soundtrack):

Charli XCX – Vroom Vroom bei
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Soundcloud: http://bit.ly/1L9l5mc

Bild SOPHIE:
http://bit.ly/1pOe40D CC BY-SA 3.0

Alle anderen verwendeten Bilder sind offizielle Artworks/Poster und wurden kontextsensitiv benutzt.

Alle Musikausschnitte entstammen der Vroom Vroom EP von Charli XCX, erschienen auf Vroom Vroom Recordings und dienen als Musikzitat für meine Rezensionserläuterungen.